This is Hollywood …

… Die Sonne geht früh unter in L.A. und taucht den Hollywood Blvd Ecke Vine in ein warmes, fast freundliches Licht. Müde schiebe ich den Samtvorhang vor dem großen Starbucksfenster zurück und blicke direkt auf die Kreuzung. Mir gegenüber ein 8-stöckiges Gebäude, rote Ziegel. Eines der schönen Häuser hier. Relikt einer Zeit, in der die Gegend nett gewesen sein muss. Die Sirenen heulen, der 780er, die SUVs und alle Taxis stecken im Stau; die Fußgängerampel unter der großen Palme zeigt an, dass die Strasse nur noch 17 Sekunden passierbar ist…

Ein Blick auf die Uhr, es ist Viertel vor sieben, sagt mir, dass auch ich mich beeilen sollte. Die Stadt der Engel ist kein sicheres Pflaster. Hollywood, Downtown – eigentlich ganz L.A. birgt seltsame Gestalten: Grünwarenverkäufer, Bettler und grölende Touristen sind noch die freundlichsten unter ihnen. Der Mitteleuropäer in mir kann noch immer nicht fassen, dass das ‘Take care and stay safe’, die Standardfloskel der Verkäufer im Supermarkt, hier mehr als ernst gemeint ist. Aber ein Blick in die Parks und Nebenstraßen genügt. ‘This is where you don’t wanna go, Miss’, warnt mich ein LAPD Officer, als ich neugierig die blinkende Vergnügungsmeile verlassen will – höflich aber bestimmt. Wer hätte gedacht, dass das End-of-Watch-L.A. dem tatsächlichen ähnelt…

Meine Karte, die nach der Beratung im Hostel mehr weggestrichene Flächen als begehbare hat, bringt mich anderthalb Tage lang durch ein paar Hochglanzecken: La Feliz, besiedelt von Hipstern und Studenten, die Union Station, Little Mexico und den Historic District. Doch auch hier verliert diese vielgefilmte Stadt nie den Geruch der Obdachlosigkeit, nie können die sauberen Gehsteige (Kalifornien verhängt 1000-Dollar-Strafen auf ‘Littering’) darüber hinwegtäuschen, dass jede dieser urbanen Inseln von Zäunen gesäumt und Sicherheitsfirmen abgeschirmt ist…

Und doch kann ich mich des kleinen bisschens Sympathie nicht erwehren, das sich leise hinter meinen roten Vorhang schleicht: Da warten Vater und Sohn, ersterer überladen mit Vonstüten, auf den Bus, der sie nach Hause bringt. Beide in den gleichen Daunenjacken, mit den gleichen Sneakern. An der Ampel macht die Starbucksbedienung, jetzt in 50s-Lederjacke, handgeschriebene Flyer für ein Indie Theaterstück fest und die Straßenmusiker eilen mit ihren Gitarristenkoffern in viel zu engen Hosen und schwarzen Beanies zum nächsten Gig…

Eine Stadt ist eine Stadt ist eine Stadt – hier wie überall. Und es sind Menschen wie diese, die die dunkle Decke ein wenig Lüften und den Blick auf eine, wenn auch nicht leicht feststellbare, Normalität preisgeben. Oder der Verkäufer im MacHollywood, der, an deutschen Exotismen interessiert, das Wort Mietzekatze gegen ein paar Hollywoodanekdoten tauscht. Oder der zerzauste Schauspielstudent, der einer Touristin mit völlig zerknitterten Dollarscheinen das Metroticket per Kreditkarte spendiert…

“Welcome to Hollywood! What’s your dream? Everybody comes here; this is Hollywood, land of dreams. Some dreams come true, some don’t; but keep on dreaming. This is Hollywood. Always time to dream, so keep on dreaming.”

… Auf dem Weg ins Hostel kreisen die Helicopter über mir. Vielleicht ruft mich diesmal Jake Gyllenhaal zurück …

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